Traditionell beschäftigt sich die Psychologie mit Krankheiten, also mit unglücklichen Menschen und wie man ihnen helfen kann. Der Begriff Positive Psychologie wurde erst 1954 von Abraham Maslow eingeführt. Ein Teilgebiet davon ist die Flow-Theorie, geprägt von Mihály Csíkszentmihályi. Östliche Philosophie beschäftigt sich schon viel länger mit dem Zustand des Flow, im Daoismus etwa heißt er Wuwei (no mind).
Will man möglichst oft im Flow Zustand sein (mir fallen wenig Gründe ein, warum nicht), sollte man sein Leben so gestalten, dass man sich möglichst oft mit Aufgaben konfrontiert sieht, die den aktuellen Fähigkeiten entsprechen. Eine Balance zwischen Über- und Unterforderung.

Aufschlussreiches Diagramm, zu welchen Zuständen verschiedene Paarungen von Herausforderung und Fähigkeit führen. Quelle: Wikipedia

Um den Flow Zustand gezielt provozieren zu können, muss man erstens seine Fähigkeiten gut einschätzen können, und zweitens selbstbestimmt genug leben können, sich seine Herausforderungen passend zu suchen. Kann man, aus welchen Gründen auch immer, kein selbstbestimmtes Leben führen, muss man seine Fähigkeiten der Instanz, die die Aufgaben definiert und verteilt, die momentanen Fähigkeiten möglichst ehrlich kommunizieren.

Will man sein ganzes Leben im Flowzustand verbringen, braucht man ein ausreichend großes Lebensziel. Dann defniert man sich kleinere Subziele, die alle auf das große Ziel ausgerichtet sind und jeweils den aktuellen Fähigkeiten entsprechen. Hat man Vertrauen in die eigenen Planungsfähigkeiten zum Zeitpunkt der Planung, und Vertrauen in die Werte, denen das Lebensziel dient, kann man den Kopf abschalten und die Ziele eines nach dem anderen im Flowzustand erreichen. Man kann ja regelmässig (nicht zu oft) einen Schritt zurückmachen, den kritischen Denker wieder ins Boot holen, und das Lebensziel (und die aktuellen Subziele) unter dem Licht der neuen Fähigkeit und Erfahrungen einer erneuten Prüfung unterziehen und gegebenenfalls anpassen.

Musashi dazu:

Worum es ihm wirklich ging, war einzig, mehr Zeit zum Meditieren zu haben. Er mußte zu einer größeren Harmonie gelangen, um sicherzugehen, daß seine Ideen nicht seiner Fähigkeit zu handeln vorauseilten.

Beobachtungen zum Flow:

Verschiedene Flows
  1. Beendete Flows können nicht wieder aufgegriffen werden.
    Ähnliche Flows können aber durchaus nach ihrem Vorbild aufgebaut werden. Sie werden nie identisch sein.

  2. Es kann stets beobachtet werden auf welchen Flow man gerade ist.
    Dieser kann dann gestärkt, abgeschwächt, umgelenkt oder komplett abgebrochen werden. Letzteres ist ein harter Move. Das Erkennen und Lenken1 ist eine Fähigkeit die man aufbauen kann.

  3. Bei anscheinender Abwesenheit von Flows gibt es immer positive Flows in die man sich einklinken kann.
    Ihr Zugang ist jedoch oft verborgen.

  4. Freie Flows können einen sehr weit tragen.
    Wenn sie keine Vorzugsrichtung (durch externe Ideale) vorgegeben bekommen neigen sie zur Selbstglorifizierung, Hybris.

  5. Die Lebensdauer eine Flows ist durch die Zeitspanne, in der man nichts will was man gerade nicht hat, beschränkt.
    Beispiele: Nahrung, Substanzen, Musik, Lärm, Ruhe, Menschen, Temperatur, Wetter, Geruch, (Abwesenheit von) Schmerzen, Ablenkung, Zerstreuung.

  6. Will man Flows der Welt erfahren wie sie sind, sollte man nichts vom eigenen Flow hinzufügen.
    Den Moment so akzeptieren, sehen und lieben wie er ist, nicht nur wenn er mit den eigenen Flow eingefärbt ist.

  7. Der eigene Flow kann über die Grenzen des Körpers strahlen.
    Man muss es ihn erlauben, dazu mit ihm identifiziert sein. Ihn nicht als Fremdkörper sehen der nur gerade durch einen fließt. Macht man das auf mutige und authentische Weise, gibt man anderen implizit Erlaubnis es auch zu tun. Dann gibt es echte Interaktion zwischen echten Menschen.

  8. Ein Flow steht nie still. (Käptn Obvious)

  9. Eine Wirkung von MJ ist es die Verweildauer auf einen Flow zu verlängern.


Bücher dazu:

Mihály Csíkszentmihályi - Flow


Anmerkungen

  1. Hypnotiseure, oder Zauberer im Allgemeinen, können das. Sie machen es auch bei anderen Menschen, was ihnen historisch viel Ärger eingebracht hat, z.B. Hexenverbrennung. Sonst versuchen sich z.B. noch MCs, DJs, Gurus, Influenzer und Pfarrer in der Kirche in diesem Handwerk.