Warum sind einige Substanzen verboten? Wie kam es dazu?

Offizielle Antworten:

  • Sie machen abhängig
  • Sie sind schädlich für die Gesundheit
  • Sie sind illegal
  • Einstiegsdrogen
  • Jugendschutz

Mehr Hintergrund:

Es gibt drei weitere Gründe, die ich interessant finde. Erstens haben einige Substanzen die Eigenschaft einen festgefahrenen Standpunkt aufzuweichen und einen überhaupt erkennen zu lassen was es ist, woran man sich da festhält. Das ist gefährlich für ein System, das auf Säulen steht deren Legitimität nicht über jeden Zweifel erhaben ist.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

— Albert Einstein

Zweitens wurden Substanzen (vor allem Marihuana und Heroin) instrumentalisiert um den ‘war on drugs’ zu begründen. Der Begriff ‘war on drugs’ wurde 1972 von Präsident Richard Nixon geprägt. Das war die Zeit nach dem Erstarken von Gegenkulturen (68er, Hippies, Black Power movement). Gruppen die sich an offensichtichen Fehlern des Systems gestört, und dagegen revoltiert haben. Das System hat die Gefahr erkannt und seine Faust mit enormen Wucht auf diese Bewegungen nieder gelassen. Die Anliegen der Gruppierungen waren sehr real und vernünftig (Frieden, Gleichberechtigung), und deshalb auch existentiell gefährlich für das System. Man brauchte eine Strategie sie zu diskreditieren. Das ist die Grundidee vom ‘war on drugs’.

Die Nixon-Kampagne 1968 und die folgende Regierung hatten zwei Feinde: Die linken Kriegsgegner und die Schwarzen. Verstehen sie, was ich damit sagen will? Wir wussten, dass wir es nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber dadurch, dass wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren und beides heftig bestraften, konnten wir diese Gruppen diskreditieren. Wir konnten ihre Anführer verhaften, ihre Wohnungen durchsuchen, ihre Versammlungen beenden und sie so Abend für Abend in den Nachrichten verunglimpfen. Wussten wir, dass wir über die Drogen gelogen haben? Natürlich wussten wir das!

— John Ehrlichman 1

Die Auswirkungen spürt man jetzt 50 Jahre immer noch. Die für die Gessellschaft schädlichen Strukturen die aus der Politik des ‘war on drugs’ entstanden sind sind stärker und mächtiger den je. (Mordende global agierende Drogenkartelle, Tod durch gestreckte unreine Drogen, Beschaffungskriminalität). Auch die Gefängnisse sind voll mit Leuten deren Existenz wegen kleinen Drogendelikten zerstört wurde2.

Natürlich kann man das von offizieller Seite nicht zugeben und alles rückgänging machen, weil man damit zugeben würde die Bürger 50 Jahr lang verarscht zu haben. Umso höher ist das Zitat von Ehrlichman zu bewerten. Man ist weiter verurteilt Milliarden in den ‘war on drugs’ zu investieren, ein Beispiel einer sunk cost fallacy.

Karte aus Grainstore Gallery Omaru

Drittens haben wir im Westen keine Kultur um über Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen zu sprechen. Es besteht die Gefahr das man ohne Führung durch einen erfahrenen Shamanen auf Erfahrungen trifft die man nicht interpretieren und in die vorhandene Weltsicht einordnen kann. Man kann das Vertrauen in den Verstand ‘verlieren’ und ‘verrückt’ werden. Auch können Erlebnisse, Bilder und Ideen solch eine Faszination und Sogwirkung ausüben, dass man auf ihnen ‘hängen’ bleibt.
Ein kollektives Leugnen von etwas hat noch nie was gebracht. Umso länger es andauert umso schwieriger wird es darüber zu sprechen. Es sammelt im Schatten Energie und bricht dann irgendwann mit zerstörerischer Kraft hervor.

We cannot change anything unless we accept it. Condemnation does not liberate; it oppresses. –Carl Jung


Anmerkungen

  1. John Ehrlichman war von 1969 bis 1973 Nixons Chef-Berater für Innenpolitik und gehörte zu dessen innerem Zirkel. In einem Gespräch mit dem Journalisten Dan Baum im Jahre 1994 äußerte er sich über die innenpolitischen Motive für die spätere Proklamation des War on Drugs. 

  2. Die Metrik für den Erfolg der Polizei ist falsch, so wird ihr Erfolg stark an der Anzahl der Verhaftungen gemessen, nicht an der Schwere des Verbrechens.